Raumakustik

Es ist schon verblüffend, mit welcher Hingabe und welch hohem finanziellen Aufwand mancher HiFi-Freund an der Optimierung seiner Wiedergabekette arbeitet.

Dabei hört man dann aus den sog. Fachkreisen oft Binsenweisheiten wie etwa: “der CD Player ist das wichtigste Glied in der Kette, denn was am Anfang verloren geht, kann man später nicht mehr zurückholen”. Selbstverständlich ist das im Grunde richtig, aber es ist natürlich Unsinn, einen fünfstelligen Betrag in den CD-Player zu investieren, wenn der Raum nicht mitspielt. Hier muss die Verhältnismäßigkeit stimmen.

Abklingen vor OptimierungDie schwächsten Glieder in der Wiedergabekette sind heute mehr denn je der Raum und der Lautsprecher. Die Elektronik und insbesondere die Digitaltechnik sind auf einem Niveau angelangt, bei dem wir nur noch feinste Unterschiede finden. Die Unterschiede, die verschiedene Lautsprecher in verschiedenen Räumen produzieren sind dagegen gewaltig.

Aus diesem Grunde beschäftigte ich mich bereits in meiner Diplomarbeit mit dem Einfluss von Raumeigenschaften auf das Hörerlebnis. Es ist dabei entscheidend, die an der hochwertigen Wiedergabe beteiligten Faktoren und Wirkmechanismen zu kennen und in ihren Kausalzusammenhängen unterscheiden zu können.

Es ist sicherlich nicht sinnvoll, einen trägen, detailarmen Lautsprecher einzusetzen, wenn in einem halligen Raum die Hochtonwiedergabe zu hell und aufdringlich erscheint. Es wird anschließend vielleicht tonal stimmiger klingen, der Informationsverlust wird aber bald zu einem Verlust an Hörfreude werden.

Anders ausgedrückt: eine sehr gute Geige klingt auch in einem schlechten Raum immer noch wie eine sehr gute Geige. Es würde niemand auf die Idee kommen, eine Stradivari zu modifizieren, wenn der Konzertsaal nicht klingt.

Ein hochpräziser Schallwandler ist daher immer der erste Schritt zu einer authentischen Wiedergabe. Der unmittelbar nächste Schritt ist die Optimierung des Raumes im Rahmen der Möglichkeiten.

Wichtig ist es, alle schädlichen, informationsverfälschenden Faktoren zu bekämpfen und klangliche Tugenden zu fördern. Dies ist nichts anderes als das, was immer schon das Ziel von High Fidelity war. Im Zeitalter der ‘Klanggestaltung’, bei der Lautsprecher mit Instrumenten verwechselt werden, ist dies leider ein wenig aus dem Fokus geraten.

Abklingen nach OptimierungEine hochpräzise Wiedergabekette steht also immer am Anfang. Die Herausforderung beginnt in dem Moment, wo die elektrische Energie in mechanische (hier Schallenergie) gewandelt werden soll. Dies bedingt zum einen eine Wandlertechnik, die Abweichungen vom Soll prinzipbedingt gering hält (siehe „Lautsprecher mit Intelligenz„). Ebenso wichtig ist aber die Ankoppelung der präzise erzeugten Schallenergie an den Raum. Das ist vergleichbar mit dem Fahrwerk eines Autos. Was nützt der extrem starke und gut ansprechende Motor und die präzise dosierbaren Bremsen, wenn die Feder-Dämpfer-Abstimmung des Fahrwerks nicht mit der Strecke harmoniert (man stelle sich einen Porsche GT auf der Rallye Paris-Dakar oder einen Unimog auf der Nordschleife vor).

Damit die Musik möglichst unmittelbar und unverfälscht das Ohr erreicht, muss die Wechselwirkung zwischen Lautsprecher und Raum untersucht und optimiert werden.

Dies erreicht man am besten durch eine Kombination aus Messungen, Hörproben und viel Erfahrung.

Die Wohnzimmer bzw. Hörraume meiner Kunden weisen häufig eine Kombination aus einer unausgewogenen Basswiedergabe und einem mehr oder weniger undifferenzierten Mittel-Hochtonbereich mit ggf. schlechter Stereomitte oder unnatürlicher Räumlichkeit auf.

Beide Effekte sind auf die Wechselwirkungen des Schallfeldes mit dem Raum zurückzuführen.

Im Mittel-Hochtonbereich führen die wiederholten Reflexionen des Schalls an den Begrenzungsflächen zu einer Überbetonung des diffusen Schallanteiles bzw. sogar zur Entstehung von Phantomschallquellen. In der Folge versinken Detailinformationen, für deren präziser Wiedergabe wir bei Elektronik und Lautsprechern viel Geld bezahlen, einfach im “Schallmüll” des Raumes.

Im Tiefton haben wir es eher mit ausgeprägten Eigenschwingungen des Raumes bzw. mit interferenzbedingten Auslöschungen zu tun. Die Saiten eines Basses klingen so je nach Tonhöhe mal extrem laut und schwammig, mal beinahe wie nicht vorhanden.

Die geannten Effekte sind keine “Krankheiten”, die nur einige wenige Hörraume betreffen. Sie gehören vielmehr zu den ganz normalen Eigenschaften von geschlossenen Räumen. Ob sie jemandem das Hörerlebnis vermiesen hängt von der Kombination verschiedener Raumeigenschaften und der Charakteristik sowie der absoluten Qualität der Wiedergabekette ab.

Sobald die Schwachstellen der Lautsprecher-Raum-Einheit bekannt sind, können praktikable Maßnahmen empfohlen werden. Man kann dabei gar nicht genug betonen, dass die Raumakustik ein ausgesprochen komplexes Fach ist und wirklich wirksame Konzepte immer aus einer ganzen Reihe unterschiedlicher Maßnahmen bestehen. Es ist selten zielführend, einfach die komplette Absorberpalette eines Herstellers zu installieren. Vielmehr wird gute Raumakustik durch die Kombination verschiedener, vorzugsweise wohnraumtauglicher und kostengünstiger Maßnahmen bestimmt.

Neben der Optimierung des Nachhalles durch dämpfende Elemente (nicht notwendigerweise Absorber) kommt vor allem eine Begradigung des Bassamplitudenganges durch phasenneutrale digitale Equalizer in Betracht. Auch ist die offensichtliche Hörposition nicht immer die akustisch optimale. Hier lohnt sich das durch Messungen gestütze Experimentieren.

Raumakustische Analyse

Unseren Kunden, die sich bei uns neue Aktivlautsprecher zulegen, bieten wir eine raumakustische Analyse an (je nach Aufwand und Konditionen ist mit einer Zuzahlung zu rechnen).

Mit Hilfe unseres Messsystems und der Erfahrung aus mehreren Hundert raumakustischen Beratungen finden wir gemeinsam auch für Ihr Hörumfeld die optimalen Maßnahmen. Da nicht jeder über einen dedizierten Hörraum verfügt, steht dabei die Wohnraumtauglichkeit im Vordergrund. Gemeinsam besprechen wir, welche Maßnahmen sinnvoll umsetzbar sind und mit welchen Verbesserungen zu rechnen ist. Auch hier muss die Verhältnismäßigkeit stimmen.